
Als Aktive im Linken Zentrum Trude Lutz haben wir uns von 2024 bis 2026 als „feministische Vernetzung“ zusammen getan. Wir haben feministische Brunches, einen Flohmarkt zum Safe Abortion Day und eine Kundgebung zum Tag gegen patriarchale Gewalt 2025 organisiert. Außerdem haben wir uns mit einem internationalistischen Bereich gemeinsam mit vielen weiteren Gruppen an der 8. März Demonstration 2026 beteiligt.
Jetzt gehen wir den nächsten Schritt!
Als Offenes Feministisches Treffen Tübingen (OFT Tübingen) laden wir ab sofort einmal im Monat ein – am 2. Dienstag im Monat um 19 Uhr im Linken Zentrum Trude Lutz (Nauklerstr. 50). Gemeinsam wollen wir politisch aktiv werden und solidarische Räume schaffen, die uns stärken!
Herzlich willkommen sind alle Frauen, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen aller Altersstufen. Wir laden explizit auch männlich gelesene Personen ein! Bringt gerne auch eure Kinder mit. Cis Männer bleiben zu Hause.
So wie es ist, muss es nicht bleiben!
Wir wollen einen Ort schaffen, an dem wir uns zusammenschließen können. Die aktuellen Verhältnisse erzeugen Wut und Frustration. Wir dürfen uns davon aber nicht lähmen lassen! Zusammen können wir diese Gefühle in Kraft und Selbstbewusstsein verwandeln. Dazu braucht es Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung: Wir wollen unsere Erfahrungen austauschen, uns den Rücken stärken und uns gemeinsam ermächtigen, bilden und vor allem aktiv werden. Das kann bedeuten, dass wir uns als Feminist:innen und Lohnabhängige an Arbeitskämpfen beteiligen, dass wir Kundgebungen oder Demonstrationen organiseren oder dass wir Raum für Diskussionen und Gespräche schaffen.
Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten und Erfahrungen bringen sich bereits ein – darunter queere, trans, migrantische und lohnabhängige Personen. Diese Vielfalt an Perspektiven verstehen wir als Stärke. Deshalb laden wir ausdrücklich Menschen ein, die sich bisher nicht in der feministischen Bewegung gesehen fühlen.
Denn es ist höchste Zeit, dass wir uns zusammenschließen und uns gemeinsam wehren!
Wir alle kennen es:
Auf der Arbeit wird uns nichts zugetraut, aber eigentlich halten wir den Laden am Laufen. Dann kriegen wir für die gleiche Arbeit auch noch weniger Lohn als unsere männlichen Kollegen.
In Beziehung, Familie oder in der WG ist es selbstverständlich, dass wir den Großteil übernehmen: Putzen und kochen, Geschenke kaufen, mit dem Vermieter reden, Mülltonne rausstellen, Kinder ins Bett bringen, Elternteile pflegen, den Haussegen aufrechterhalten und pausenlos ein offenes Ohr haben. Diese Liste würde sich noch unendlich weiterführen lassen.
Gleichzeitig sind wir ständig – ob daheim, auf der Straße, auf der Arbeit oder im Internet – mit Gewalt konfrontiert. Und dann wird uns auch noch die Schuld darangegeben. Und als ob das nicht schon genug wäre, dürfen wir über unseren Körper oft nicht selbst entscheiden. Im Zweifelsfall hat der Staat zum Beispiel bei Abtreibungen oder geschlechtsangleichenden Maßnahmen immer das letzte Wort.
Im Kapitalismus gilt: Profit statt Fürsorge
Wir wollen eine Gesellschaft, die nicht für den Reichtum Einzelner sorgt, sondern die nach unser aller Bedürfnissen gestaltet ist! Denn im jetzigen System werden die weiblich dominierten Branchen am schlechtesten bezahlt: Pflege, Kita, Soziale Arbeit und Kultur. Die prekärsten Jobs werden vor allem von migrantischen Frauen erledigt – und das zu miserablen Arbeitsbedingungen. Das sind Tätigkeiten, die das kapitalistische System am Laufen halten, dabei aber massiv abgewertet werden. Wir leisten jetzt schon ungefähr doppelt so viel unbezahlte Sorgearbeit [1]. Das nimmt natürlich nur zu, wenn die Kitas früher schließen und Plätze in Pflegeheimen immer knapper und teurer werden. Das alles sind auch die Bereiche, in denen gekürzt wird. Statt das Geld in Soziales zu investieren, steckt der Staat hunderte Milliarden in die Bundeswehr und Rüstungsunternehmen. Nicht zuletzt wird dann noch bei Beratungsstellen, Sozialer Arbeit und Frauenhäusern abgebaut. Dabei ist das Zuhause der gefährlichste Ort für Frauen und queere Personen. Beinahe jeden Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem (Ex-)Partner ermordet [2] und etwa alle 41 Stunden wird eine queere Person Opfer einer schweren Gewalttat [3].
Unser Feminismus ist antikapitalistisch!
Als Aktive im OFT Tübingen sind wir überzeugt, dass der Kapitalismus der Nährboden für das Patriachat ist. Den Kapitalismus mitsamt seinen kolonialen und rassistischen Strukturen abzuschaffen, ist die Grundlage dafür, dass wir auch das Patriarchat überwinden können.
Wir kämpfen also für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung – in der Haus- und Sorgearbeit gerecht verteilt sind und alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht frei sind. Unser Kampf ist dabei internationalistisch und antiimperialistisch, also in Solidarität mit allen Frauen und Queers weltweit.
Bis dahin gilt:
Als OFT Tübingen wollen wir einen Beitrag zur Tübinger wie internationalen feministischen Bewegung leisten: Wir kämpfen gegen Sexismus, Queerfeindlichkeit und Rassismus. Wir wollen uns selbst ermächtigen, bilden und aktiv werden.
Wir sind uns bewusst, dass sich unser Selbstverständnis vor allem in unserer gemeinsamen Praxis entwickeln wird und sehen diesen Text daher nicht als in Stein gemeißelt an.
Lasst es uns angehen!
Kommt zum Offenen Feministischen Treffen in Tübingen am 2. Dienstag im Monat um 19 Uhr im Linken Zentrum Trude Lutz (Nauklerstraße 50).
[1] www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/gleichstellung/gender-care-gap/indikator-fuer-die-gleichstellung/gender-care-gap-ein-indikator-fuer-die-gleichstellung-137294
[2] www.bka.de/DE/Presse/Listenseite_Pressemitteilungen/2024/Presse2024/241119_PM_BLB_Straftaten_gegen_Frauen.html
[3] www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/Lagebilder/SicherheitLSBTIQ/SicherheitLSBTIQ_node.html